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Aus der Wiener Tischlerei

Notizen aus der Werkstatt in Rudolfsheim-Fünfhaus

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Populäre Tags: Altbau, Heizung, Holz, Massivholz, Möbel

Verwendete Sprachen: Deutsch

2. September 2026

Warum Massivholzmöbel im Winter arbeiten – und was man dagegen tun kann

Jedes Jahr im Oktober fängt es an: Die Heizung geht auf, und ein paar Wochen später rufen die ersten Kunden an. Die Tischplatte hat einen Riss bekommen. Die Schranktür schließt plötzlich nicht mehr sauber. Die Fuge zwischen zwei Brettern ist auf einmal so breit, dass man von der Seite durchschauen kann.

Das ist kein Pfusch und kein Materialfehler. Das ist Holz, das seine Arbeit macht.

Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt sie wieder ab. In einer Wiener Altbauwohnung liegt die Luftfeuchtigkeit im Sommer oft bei 60 Prozent, im Jänner bei trockenen 30. Das Holz folgt dieser Kurve und schwindet – aber nicht gleichmäßig. Quer zur Faser bewegt sich ein Brett gut zehnmal so stark wie in Längsrichtung. Eine Eichenplatte mit 80 Zentimetern Breite kann über den Winter fünf bis sieben Millimeter schmäler werden. Genau deshalb reißt sie, wenn sie ringsum starr verschraubt ist und nirgends ausweichen kann.

Der übliche Fehler passiert also nicht beim Holz, sondern bei der Befestigung. Eine Massivholzplatte darf nie rundum fix verschraubt werden. Sie gehört mit Langlöchern oder Nutklötzen montiert, damit sie sich quer bewegen kann. Wer das beachtet, hat auch nach zwanzig Jahren keinen Riss. Wir arbeiten in unserer Tischlerei in Wien grundsätzlich so, gerade weil in Altbauwohnungen die Schwankungen so groß sind.

Was man selbst tun kann, ist weniger spektakulär, als die meisten hoffen: die Luft nicht zu trocken werden lassen. Zwischen 40 und 55 Prozent relative Luftfeuchte fühlen sich sowohl Möbel als auch Menschen wohl. Ein Hygrometer für ein paar Euro sagt einem, wo man steht. Stoßlüften statt Fenster kippen, und Möbel nicht direkt vor den Heizkörper stellen – das reicht meistens schon.

Und wenn doch etwas aufgeht: keine Panik und vor allem nichts zuspachteln. Eine Fuge, die im Winter aufgeht, schließt sich im Frühjahr oft von selbst wieder. Wer sie im Jänner füllt, bekommt im Juni das umgekehrte Problem, weil das Holz beim Quellen keinen Platz mehr hat. Ausbessern lohnt erst, wenn der Riss über zwei, drei Jahre bleibt.

Kurz gesagt: Ein Massivholzmöbel, das im Winter ein bisschen arbeitet, ist ein gesundes Möbel. Sorgen machen muss man sich eher bei dem, was sich gar nicht bewegt – das ist dann meistens auch kein Massivholz.

Von WienerTischlerei, um 16:26 | Tags: Altbau, Heizung, Holz, Massivholz, Möbel, Tischler, Wien | TrackBack: 0